Erich Ruhl-Bady

Auf der Suche nach dem Glanz des Friedens.

Rezensionen und Feedbacks zum Debütroman
VATERFERN MUTTERSTILL
Erschienen im Juni 2022 im Verlag KLEINE SCHRITTE zu Trier.
ISBN 978-3-89968-163-5


RAIMUND SCHÖLL:


VATERFERN MUTTERSTILL - Ein Buch wie ein Film


Rezension vom 26. Juni 2022


"Vaterfern mutterstill" ist die berührende Geschichte eines Nachkriegskindes, das seine eigene Existenz in Verknüpfung mit der Geschichte seiner Herkunftsfamilie verarbeitet. Während sich Leander, die Hauptfigur des Romans, in der Auseinandersetzung mit dem fernen und rastlos arbeitenden Vater, der im 2. Weltkrieg als fanatischer Wehrmachtssoldat diente, vom schüchternen Kind mit stiller ängstlicher Mutter zum selbstbewussten Kriegsdienstverweigerer und Pazifisten entwickelt, erhält der Leser fast wie nebenbei eine dichte Beschreibung der Lebensatmosphären der jüngeren Bundesrepublik. Ein Land, das schon bald nach dem Krieg auf der Vorderbühne wirtschaftlich in euphorischer Aufbruchstimmung ist, auf der Hinterbühne allerdings traumatisiert bleibt von der bis heute unfassbaren Katastrophe.


Stilistisch wählt E. Ruhl-Bady dabei einen interessanten Weg. Der Text bewegt sich zwischen nüchterner Beschreibung einerseits, literarischer Verarbeitung und feiner Ironie andererseits hin und her. Das Verhältnis Leanders insbesondere zum Vater bleibt bis zum Schluss ambivalent. Es ist vom Versuch zu verstehen geprägt bei gleichzeitigem Ringen um Abgrenzung. Eindrucksvoll gelingt es Bady, die neuralgischen Punkte und Abgründe der sogenannten Kriegsgeneration, der es oft an Einfühlsamkeit gegenüber den eigenen Kindern (den sogenannten Kindern der Kriegskinder bzw. Kriegsenkeln) ermangelte, empathisch, aber auch unprätentiös zu beschreiben: „Riesige Verwechslungen hatten Leanders Vater empfänglich gemacht für Rassismus und Tyrannei, im Ergebnis für Krieg. Heinrich hatte Leid gebracht und selbst viel gelitten. Fast ohne Unterlass bildete Vaters Vergangenheit über Jahrzehnte eine verlässliche Hintergrund Stimmung in Leanders Gedanken, aber er war nicht nur erschrocken: Vaters bewusste Wendung vielleicht noch zeitig genug nötigte Leander Respekt ab.“


Das Buch hält vom Anfang bis zum Ende durch, was es im „Klappentext“ verspricht. Es zeichnet authentische Charaktere, die um Normalität und Bürgerlichkeit, um Anerkennung, Erfolg und Liebe ringen. Es gibt spannende Szenenwechsel wie in einem Film.


Vaterfern mutterstill kann man als ein leidenschaftliches Plädoyer für Demokratie und Humanität lesen, aber auch als eine gelungene persönliche Aufarbeitung der tragischen Trias von Leid, Schuld und Tod.


Als Leser hat mich der Roman berührt, weil er daran erinnert, dass es trotz familiärer und systemischer Verstrickungen stets einen freien Bereich gibt, den man entdecken und gestalten kann, um seinen eigenen Weg zu gehen. Gegen Ende schreibt Leander in einem Brief an seinen Vater folgendes: „Die Demagogie der Großen Verwirrung ist ein schleichendes Gift. Deshalb sollte der Innere Kompass in der Seelentasche stets greifbar sein. Das Instrument, das das Herz erwärmt und den Geist frei atmen lässt.“


Dieses Buch werde ich so schnell nicht vergessen.

***


Zum Rezensenten:
Raimund Schöll | Diplom-Soziologe | Systemischer Berater und Coach
Wohnt am Ammersee, praktiziert in München



Feedbacks:


Dr. Birgit Kindler, Verein Kunstgriff:

Es fällt auf, dass der Autor bei diesem Debütroman von der Lyrik her kommt.


Dr. Norbert Copray, Herausgeber Publik Forum:
Intensiv, ergreifend, berührend -  mit einem fulminanten Schluss-Akkord.